Was mache ich bloß falsch?
18. August 2010 | Kategorie: Service
Was mache ich bloß falsch?
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In Zeiten wie diesen, da alle paar Tage in Kärnten eine neue Eiterbeule aufbricht und man sich des Eindrucks nicht erweh-ren kann, dass die größten Grätzn immer obenauf schwimmen, da nagen schon gelegentlich Selbstzwei-fel an mir. Jetzt gehe ich auf die 40 zu und habe immer noch kein Konto in Liechtenstein. Geschweige denn einen hübschen Privatsekretär, der mir aus purer Zuneigung eines eröffnen würde. Dann ist die Frage, wer mir so ein Konto überhaupt fül-len könnte; die Söhne von Gaddafi und Saddam stehen ja leider nicht in meinem Telefonbuch. Auch Tilo, Fränk und Gaston bin ich wurscht. Kein russischer Investor hat sich jemals für mich in-teressiert, so dass ich noch nie in der Situation war, „part of the game“ zu sein. Ich habe kein Anwesen in Kitzbühel, keine Seevil-la in Maria Wörth, und Julius Meinl wird mich nie im Leben auf seine Yacht einladen, obwohl ich ihm so viel zu sagen hätte. Herr Grasser würde mich nicht einmal grüßen – schlimmer noch: so jemand wie ich würde in seiner Aura schlichtweg verglühen wie eine öde Motte im Scheinwerfer. Mein Ferrari heißt Octavia und steht nicht in Monaco, sondern in Auen. Ich kann den Hafnersee nicht zurückkaufen und nicht das Schlosshotel. Ich wüsste nicht, wie ich in kroatische Tourismusprojekte investieren sollte, weil ich die dortigen Mafi osi genauso wenig persönlich kenne wie die hiesigen. Ich habe kein Grundstück am Pyramidenkogel, das ich einem geneigten Bürgermeister teuer verkaufen könnte. Nie hat mich wer gefragt, ob ich für ein paar Hunderttausend Euro sein Volkskultur- oder Pop- oder Bratlfettn-Konsulent werden will. Keiner schanzt mir fette Provisionen zu, immer muss ich alles versteuern. Was läuft da schief? Bin ich echt auf der Margarineseite des Le-bens gelandet? Wo bleibt da die Verteilungsgerechtigkeit? Gibt es keine Partei der Fleißigen und Anständigen, keinen Robin Hood, der da endlich einmal aufräumen würde? Wie bitte? Sie meinen, die gab es einmal? Kann sein, dass Sie sich irren?
Christian Hölbling